Das erste behinderten- und rollstuhlfahrergerechte Großsegelschiff in Deutschland

Die Idee zum so genannten "Rollisegler" entstand am Zentrum für Erlebnispädagogik und Umweltbildung (Zerum). Dort wurde im Jahr 1995 ein bundesweit ausgerichtetes Integrationsprojekt gestartet, in dessen Rahmen bis heute Bildungs- und Freizeitangebote für Menschen mit Beeinträchtigungen gestaltet werden. Dazu gehört auch das Segeln auf Jollen, also kleinen offenen Booten, mit denen auch Rollstuhlfahrer segeln können.

Am Zerum wird bereits seit vielen Jahren ein Großsegelschiff für Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe genutzt, die "Greif von Ueckermünde". Einmal Seeluft geschnuppert lag und liegt der Wunsch der Behindertengruppen nahe, auch mal mit der „Greif von Ueckermünde“ einen längeren Törn zu unternehmen. Dies stellte sich jedoch als Problem heraus, sobald Rollstuhlfahrer mit in der Gruppe waren. Es war für sie sehr schwierig, auf das enge Schiff oder unter das Deck zu gelangen. Aus dieser Situation heraus entwickelte sich ein bisher einzigartiges Projekt, ein Schiff zu bauen, das sowohl für Menschen mit als auch ohne Beeinträchtigungen nutzbar ist.

Ein passender Schiffskörper wurde für den Umbau gesucht und in Stettin gefunden.  Überzeugt von der positiven Wirkung des Projektes finanzierte die Stadt Ueckermünde den Kasko, d.h. den Schiffskörper. Mit der Gründung des "Verein zur Förderung des ersten behinderten- und rollstuhlfahrergerechten Großsegelschiffes in Deutschland e.V." im Jahr 2001 wurde ein nächster Schritt zum Bau vollzogen. Damit einher ging die Suche nach der weiteren Finanzierung. Die EU-Gemeinschaftsinitiative LEADER + beteiligte sich mit einer Förderung von 168.000 € an dem insgesamt etwa 600.000 € teuren Projekt. Einen großen Teil der Kosten tragen die bisher über 300 privaten Spender sowie regionale und überregionale Unternehmen.

Umgebaut wurde das Schiff in einer Halle in Ueckermünde. Am 15.September 2006 konnte der Segler unter Teilnahme von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Wasser gelassen werden. Die Wintersaison wurde genutzt, um den Innenausbau zu vollziehen und abzuschließen. Im Februar 2007 wurden die Masten gestellt und die Segel geliefert, anschließend erfolgte der Einbau der Kräne und Lifte.

Am 05.Mai 2007 ist es nun endlich soweit: Das erste behinderten- und rollstuhlfahrergerechte Großsegelschiff Deutschlands wird getauft und am nächsten Tag zu seiner Jungfernfahrt auf das Stettiner Haff auslaufen.

Dann können Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam in See stechen und Abenteuer auf dem Wasser erleben. Egal ob Segel setzen, das Schiff steuern oder Essen in der Kombüse kochen -  jeder kann sich an allen Schiffsdiensten beteiligen. Zwei ausgebildete Schiffsführer helfen bei der Orientierung und leiten die Crew bei den Manövern an.

Das Segelschiff bietet Platz für 12 Personen, davon bis zu 5 Rollstuhlfahrern. Sie können sich an Bord mit bordeigenen Rollstühlen bewegen, da diese an die speziellen Bedingungen auf See angepasst und mit Sicherheitssystemen ausgestattet sind. Kräne ermöglichen den Rollstuhlfahrern eigenständiges Auf- und Absteigen vom Schiff. Mittels zweier unabhängiger Lifte können sie auch unter Deck gelangen und sich dort frei bewegen. Kojen, Küche, Duschen und Toiletten sind behindertenfreundlich ausgestattet.

Hat sich eine Gruppe gefunden, geht’s an die konkrete Planung: der Zeitraum von Anfang Mai bis Ende Oktober steht für einen Törn zur Verfügung. Je nach individuellen Gegebenheiten kann sich die Reise von einigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen erstrecken.

Ein Essensplan für die Tage auf See muss erstellt und Verpflegung eingekauft werden, da sich die Crew an Bord selbst versorgt. Während der Hauptsaison besteht die Möglichkeit sich in Ueckermünde einen rollstuhlgerechten Transporter auszuleihen und von Montag bis Sonntag einzukaufen.

Die Reise auf dem Segelschiff beginnt und endet in Ueckermünde, dem Heimathafen des Rolliseglers. Dazwischen bestimmen die Wünsche der Gruppen, die Wettersituation und die Einschätzung der Schiffsführer den Reiseverlauf. Als Ziele bieten sich dabei Häfen im Stettiner Haff, dem Greifswalder Bodden oder der Ostsee an. Die Kosten für die Reise betragen 50 €/Tag/Person, hinzukommen noch Hafengebühren, Dieselkosten und Selbstverpflegung (Bordkasse ca. 12 €/Person und Tag).

Schiffsdaten

Typ:                           Kielkreutzer/ Ketsch
Länge über alles:      21,98m
Breite:                       5,50m
Tiefgang:                   2,20m
Verdrängung:            52m3
Segelfläche:              235m2
Crew:                        12 Teilnehmer, davon können fünf Rollstuhlfahrer sein
Stammbesatzung:    2 Personen

Weitere Informationen:

Rollisegler
Ueckermünder Str. 51
17375 Liepgarten
www.rollisegler.de

info@rollisegler.de

Tel. 039771-22725
Fax 039771-22025

 

Spendenkonto
Verein zur Förderung des ersten behinderten- und rollstuhlfahrergerechten Großsegelschiffes in Deutschland e.V.

Spk Uecker-Randow
Kto.nr. 3210015600
BLZ 15050400

Weitere Infos

Flyer.pdf

 
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