Der Göta Kanal

Autorin: Karina

In diesem Jahr wird der Götä Kanal 175 Jahre und das ganze Jahr über wurde gefeiert. Im Jahre 1810 plante Baltzar von Plate einen Verbindungskanal von Göteborg durch den Trollhättan Kanal zur Ostküste Schwedens. 1812 wurde mit dem Kanalbau begonnen und nach 22 Jahren wurde er 1832 eingeweiht. 58.000 Arbeiter waren mit dem Kanalbau beschäftig. Der Göta Kanal ist eine der bekanntesten und bestbesuchten Touristen Attraktionen Schwedens und gilt als das schwedische Bauwerk des Jahrtausend.

Daten:Länge 190 km58 SchleusenBaujahr 1810 - 1832Max.Höhe über dem Wasserspiegel: 91,8 m (der Vikensee)

Schleusen:
Max. Bootslänge: 30m
Max. Bootsbreite: 7m
Max. Bootshöhe: 22m
Max. Bootstiefe: 2,80m

Für unser Schiff, eine Vindö 50 mit 10.65m Länge und 3,25m Breite, zahlten wir 5000,-- SKr. Das sind umgerechnet 550,-- Euro und zwar für eine Passage. Wir wählten den Weg von Ost nach West.

Der Kanal beginnt in Mem, wenn man von der Ostküste kommt. Hier ist das Kanalbüro und man meldet sich dort an und zahlt die Kanalgebühr. Kartenzahlung wird gerne gesehen. Eine sehr ausführliche Beschreibung des Kanals mit vielen Tipps und Anleitungen wird mit der Quittung ausgehändigt. Dann folgt man den Anweisungen der Schleusenwärter, in unserem Falle war es eine nette Schleusenwärterin. Es sind meisten Studenten, die in den Semesterferien als Schleusenpersonal arbeiten. Der Kanal ist von 2. Mai bis 28. Sept. geöffnet, Vorsaison vom 2.5. - 8.6. und Nachsaison vom 19.8. bis 28. 9. Die täglichen Öffnungszeiten des Kanals während der Hauptsaison: von 9.00 bis 18.00 Uhr. In der Vor und Nachsaison wird nur im Rudel geschleust, also im Konvoi mit mehreren Booten in fünf Tagen von Mem bis Sjötorp oder in Express in 3 Tagen.

Ab jetzt folgt ein Tagebuch von unserer Kanalfahrt. Wir, mein Mann und ich, sind im Ruhestand und haben nun viel Zeit zum Segeln. Wir sind die Ostküste hoch durch den Schärengarten, dann quer durch Schweden (Götakanal und Trollhättankanal) und über Göteborg zurück zum Heimathafen Aabenraa in Dänemark. Wer mehr von der Reise lesen möchte, findet weitere Infos und Fotos auf www.sycarina.deUnser Schiff heißt CARINA

Logbuch
Samstag, 14. Juli 2007 - Mem
Nach dem gemütlichen Frühstück in der Plicht, machen wir die Leinen los und fahren Richtung Schleuse. Vor der Schleuse liegen 2 Schiffe in Warteposition, die morgens mit uns in Stegeborg gestartet sind. Wir melden uns im Kanalbüro und bezahlen die Gebühr für das Befahren des Götakanals. Für die gesamte Passage von Mem bis Sjötorp zahlen wir 5000 Kronen, das sind umgerechnet ca. 550,-- Euro, enthalten ist die Liegegebühr für 20 Gasthäfen (5 Tage pro Hafen) entlang des Kanals und auch Duschen und der Stromanschluss ist gratis. Außerdem leihe ich im Kanalbüro zwei Bücher aus, nach der Kanalpassage kann ich sie in Sjötorp wieder abgeben. Das ist eine tolle Möglichkeit an Lesestoff zu kommen und alles kostenlos. Dann geht es in die Schleuse, beim Einfahren fällt mir auf, dass ich eigentlich an Land sein musste, um die Leinen in der Schleuse anzunehmen, doch jetzt ist es zu spät. Auch auf den anderen Booten sind die Frauen an Bord geblieben. Es ist eben aufregend zum ersten Mal zu Schleusen und dabei vergisst man leicht etwas. Ist aber in diesem Fall kein Problem, weil die Schleusenwärterin hilfreich zur Stelle ist und auch nochmals alles genau erklärt. Achterleine fest belegen und die Vorleine immer durchholen, damit das Boot nicht ins Pendeln kommt. Wir haben Carina schon vorbereitet und die Vorleine mit einem Block nach hinten umgeleitet um sie dann mit der Schotwinsch dichtzuholen. Als alle Boote, in unserem Schleusenvorgang sind es 3 Schiffe, mit Leinen versorgt sind, schließt die Schleusenwärterin das Schleusentor. Dann wird Carina umsprudelt und langsam steig das Wasser in der Schleusenkammer. Wir steigen mit dem Wasser ca. 3 m hoch und dann öffnet sich das andere Tor und wir fahren zum ersten Gästehafen. "Jetzt haben wir nur noch 57 Schleusen vor uns", so wurde uns berichtet, hat jemand in der Schleuse erzählt. An der Kaimauer machen wir fest, weil uns die Y-Boms zu schmal für Carina erscheinen. Schnell kommen wir mit der Crew eines anderen Bootes ins Gespräch. Sie liegen auch längsseits und sind schon seit April unterwegs, Stockholm und der Mälerensee liegen schon hinter ihnen. Die Crew ist öfter hier in dieser Gegend unterwegs und abends sitzen wir auf deren Boot und erfahren allerlei Interessantes vom Götakanal und auch zum Thema Land und Leute in Schweden.
Am Sonntag laufen sie aus und fahren nach Söderköping. Wir wollen später los. Doch dann heult der Wind mit 30 kn aus West und wir erfahren von einem Segler, das der Wind aus West genau in den Gästehafen von Söderköping weht und außerdem soll Söderköping total überfüllt sein. Er bleibt deshalb hier in Mem. Wir ändern unseren Plan und bleiben auch in Mem.

Montag, 16. Juli 2007
Heute ist ein wirklicher Sommertag, es ist warm, die Sonne scheint von einem blauen, wolkenlosen Himmel. Wir liegen im Götakanal und haben Zeit, um das alles hier zu genießen. Das ist Urlaub! Heute verholen wir uns nach Söderköping. Leinen los und alle Fender raus, die wir an Bord finden können. Leinen fürs Schleusen vorbereiten und dann genießen wir die Kanalfahrt. Es geht durchs Grüne, der Götakanal schlängelt sich, genau so wie der kleine Fluss Storan an Backbord, durch die Landschaft. Nach ein paar Meilen kommt schon die Schleuse von Söderköping in Sicht. Das Schleusenmanöver klappt reibungslos. Diesmal setzt Uwe mich vor der Schleuse ab und ich gehe zu Fuß zur Schleuse und nehme die Leinen an. Sie liegen gut vorbereitet am Bug und am Heck von Carina. Wir wählen die Steuerbordseite der Schleuse. Die Steuerbordseite ist die Schokoladenseite von Carina, da Carina eine linksdrehende Schraube hat und deshalb das Anlegen leichter fällt. Uwe wirft die Leinen hoch, ich belege beide und schon füllt sich die Schleuse mit Wasser. Carina liegt ganz still, Uwe holt die Vorleine immer gleich dicht und langsam kommt mir Carina entgegen. Sie steigt Zentimeter für Zentimeter. Dann steige ich wieder über und das Schleusentor öffnet sich. Vor uns liegt Söderköping. Hier gibt es Liegeplätze hinter der Schleuse und gleich vor der Schleuse. An beiden Stellen liegt man mitten in der Stadt. Vor der Schleuse ist Platz und wir entscheiden uns schnell anders und gehen vor der Schleuse längsseits. Nachmittags bummeln wir durch die kleine Stadt. Eine sehenswerte Stadt mit vielen Geschäften und Cafés ohne Ende. Hier in Schweden trinkt man wohl gerne im Freien einen Kaffee oder sitzt gerne draußen und isst eine Kleinigkeit. Die Stadt wird auf einer Seite durch einen felsigen, steil aufsteigenden Berg begrenzt, vor dem unmittelbar der Götakanal vorbeiführt. In der Stadt fließt der kleine Fluss "Storån", der sich durch die Stadt schlängelt. Überall gibt es Brücken und es ist kein Problem den Fluss zu überqueren. Viele alte Häuser kann man bewundern, direkt am Götakanal liegen ein paar schöne, alte Holzvillen im typisch schwedischen Stil. Abends grillen direkt am Kanal, ein wirklicher toller Grillplatz, es ist ein schöner Abend.Dienstags sind wir auch noch in Söderköping. Es gibt so viel zu sehen, die Fahrräder warten auf Bewegung und Carina auf einen Lackanstrich (Kompassrand, Süllrand). Mittwoch haben wir Besuch aus der Heimat, Freunde sind mit dem Wohnwagen hier und machen ein paar Wochen Urlaub in Schweden. Wir freuen uns sehr und bei Kaffee und Kuchen wird ausgiebig geklönt. Abends besuchen wir die Beiden auf dem Campingplatz und speisen gemütlich im Wohnwagen. Mit dem Rad geht es im Dunkeln am Kanal wieder zurück zum Schiff. Den Donnerstag verbringen wir auch gemeinsam hier in Söderköping. Stadtbummel, Kaffee und Kuchen, Bergsteigen, Blaubeeren werden gepflückt und abends steht grillen auf dem Programm. Schnell ist der Tag vorbei und wir machen Carina wieder klar für die Weiterfahrt auf dem Kanal, denn nach 3 Hafentagen ist an Bord nichts mehr auf seinem Platz. Wir wollen weiter nach Norsholm. Das sind dann 9 Schleusen an einem Tag, wir steigern uns.........

Freitag, 20. Juli 2007 - Norsholm
Weiter geht es von Söderköping nach Norsholm. Hinter der ersten Klappbrücke halten wir nach unseren Freunden Ausschau und siehe da, der Wohnwagen steht noch da. Mit einem lauten "Hallo" machen wir auf uns aufmerksam und schon erscheinen sie mit der Filmkamera. Wir treffen sie später in Berg wieder. Dann kommt Schleuse auf Schleuse, insgesamt sind es 9 Stück bis Norsholm und einige Rollbrücken, sowie eine Dreh- und eine Klappbrücke. Die Strecke führte durch eine schöne Landschaft, quer durch ein Waldgebiet und über einen See, den Asplången. In Norsholm ist außer einem Café und einem Supermarkt nicht viel zu sehen. Wir finden einen Liegeplatz im Päckchen an der Kaimauer. Nach einem kleinen Spaziergang gehen wir früh zu Bett, wir wollen morgen die erste Schleuse um 9.oo Uhr passieren.

Samstag, 21. Juli 2007 - BergKleines Frühstück und dann will Uwe den Motor starten und nichts passiert. Wieder macht der Anlasser Probleme. Beim dritten Versuch springt der Motor an. Die erste Schleuse passieren wir, sie liegt zwischen zwei Brücken. Eine Drehbrücke und eine Klappbrücke, die Klappbrücke ist für den Zugverkehr, daher ist hier immer mit Wartezeit zu rechnen. Wir haben Glück und es dauert nicht lange, sie öffnet sich und gibt den Weg frei. Vor uns liegt der Roxen, der See liegt schon 33 Meter über dem Meeresspiegel. 14 Seemeilen fahren wir auf dem See und kommen dann an die Schleusentreppe von Berg. Es ist die größte Schleusentreppe des Götakanals mit 7 Kammern und einem Hub von 18,8 m. Wir haben fast keine Wartezeit und können nach ein paar Minuten in die erste Kammer einfahren. Den Motor lassen wir weiterlaufen, wäre zu dumm, wenn wir in einer Schleusenkammer mit einem Motorproblem liegen bleiben. Das Schleusen klappt gut, nur einmal gibt es ein kleines Problem. Das Schiff neben uns fährt gleichzeitig mit Carina in die nächste Schleusenkammer und drängt Carina zu sehr an das Schleusentor, der Kugelfender verhakt sich und bremst Carina aus. Ein lautes Knacken erschreckt mich, hoffentlich ist die Relingsstütze nicht gebrochen. Aber wir haben Glück, die Relingsstütze ist heil geblieben. Jetzt hat Carina eine Höhe von 52 m erklettert. Die Crew ist glücklich und fährt zum Liegeplatz in den Gästehafen von Berg. An einer Heckboje machen wir fest und stärken uns. Klettern ist anstrengend. Hier im Gästehafen von Berg verbringen wir auch den Sonntag. Der Hafentag wird genutzt für Bootspflege. Während Uwe im Motorraum eintaucht, frische ich Carinas Make up auf. Am Kajütaufbau hat sich an der unteren Kante der Lack gelöst und ich mache Schadensbegrenzung, ein kompletter Anstrich steht für später auf dem Programm. Da der Anlasser wieder Probleme bereitet, überprüft Uwe die Kabel. Teile des Anlassers, die hintere Wellenabdeckung und ein Sprengring, haben sich gelöst und Uwe findet zum Glück alle Teile in Motorbilge. Er befestige alles wieder, leider meint er, dass das nicht die Ursache unseres Problems sei. Aber eine leise Hoffnung habe ich trotzdem. Beim Probestart klappt alles perfekt, der Motor springt ohne Murren an. Nachmittags kommen unsere Freunde mit dem Fahrrad vorbei, wir spazieren zur Treppenschleuse und beobachten die Schiffe beim Schleusen. Sie sind mit dem Wohnwagen nach Borensberg gewechselt und haben dort einen schönen Platz direkt am Kanal gefunden. Wir werden morgen an ihnen vorbeifahren und im Gästehafen von Borensberg festmachen. Am Montag regnet und stürmt es und die Crew hat keine Lust zum Auslaufen und Schleusen

Dienstag, 24. Juli 2007 - Borensberg
Der Regen hat ein Ende, wir legen in Berg ab und bunkern noch Frischwasser direkt vor der nächsten Schleuse. Leider beschert uns das Wartezeit, weil zwischenzeitlich andere Boote sich zum Schleusen bereitmachen und noch in die Schleusenkammer fahren können. Für uns blieb nur noch die Backbordseite und deshalb warten wir auf die nächste Schleusenöffnung. Doch dann kommt das Passagierschiff und wir müssen eine Stunde warten. Dann geht es los und wir bewältigen 4 Doppelschleusen und 21 Meter Höhe. Anschließend fahren wir gemütlich durch den Kanal und es werden etliche Brücken für uns geöffnet und kurz vor Borensberg kommt noch eine kleine Schleuse. Diese Schleuse wird noch von Hand bedient. Der Schleusenwärter öffnet und schließt die Tore mit eigener Kraft. Mit uns schleust eine Schwedenfamilie und die Kinder helfen dem Schleusenwärter. Die eine Hälfte vom Tor macht er und die andere die beiden Kindern. Diese Schleuse bringt Carina nur 20cm höher in den Borensee. Gleich hinter der Schleuse machen wir am Kai fest und wollen hier über Nacht liegen bleiben. Unsere Freunde begleiten uns auf den letzten Metern im Kanal mit dem Rad. Sie haben ganz in der Nähe ihren Wohnwagen stehen und heute Abend sind wir zum Essen eingeladen. Wir machen Carina gut fest und dann gehen wir ein Stück am Kanal entlang zum Campingplatz. Er liegt sehr schön, gleich am Kanal und es stehen nur ein paar Wagen dort. Der Platz ist eigentlich kein richtiger Campingplatz, sondern eine Wiese, die zum Wanderheim gehört. Erst ein Gläschen Sekt, dann Kaffee mit Kuchen und anschließend noch ein vorzügliches Abendessen genießen wir mit den Beiden. Es gibt Lachs mit Gurkengemüse, es schmeckt vorzüglich. Wir sagen nochmals herzlichen Dank für den schönen Abend. Spät in der Nacht kehren wir zu Carina zurück.

Mittwoch, 25. Juli 2007 - Motala Frühstück in der Plicht und schnell noch ein paar Einkäufe vor dem Ablegen tätigen. Wir fahren über den Borensee und kommen zur Schleusetreppe Borenshult. Die Schleusentore schließen sich kurz vor uns und der Schleusenwärter lässt uns obwohl noch Platz in der Schleuse ist, nicht mehr rein. Wir müssen 2 Stunden warten, denn von oben kommt ein Passagierschiff (MS Diana) und erst wenn das heruntergeschleust ist, können wir in die Schleuse. Aber zwischenzeitlich kommt vom Borensee noch ein Passagierschiff und auch das hat Vorfahrt. Dann endlich darf Carina in die Schleuse und es geht bergauf. Alles klappt gut, aber es sind die anstrengensten Schleusen bis jetzt. Das Wasser kommt mit viel Druck und sehr schnell in die Kammern und Uwe hat alle Hände voll zu tun. Er kurbelt wie ein Weltmeister und behält Carina dadurch fest im Griff. Ich stehe an Land und belege die Leinen und muss dann tatenlos dem Theater zu schauen. Wir sind geschafft als wir die letzte Schleuse hinter uns haben und fahren noch ein kleines Stück im Kanal bis Motala. Motala liegt am Vätternsee und im Gästehafen machen wir am Schwimmsteg mit Y-Boxen fest. Mit einem schönen Eis belohnen wir uns und feiern die bewältige Höhe von 88,5 m. Vor uns liegt jetzt nur noch eine Aufwärtsschleuse mit 3 Meter. Ab dem See Viken geht es dann bergab und die Schleuserei wird einfacher. Aber jetzt bummeln wir erstmal durch Motala und morgen schippern wir über´n See.

Donnerstag, 27. Juli 2007 - Karlsborg
Nach einer unruhigen Nacht am Schwimmsteg in Motala verlassen wir den Hafen und fahren über den Vätternsee. Der Wind ist immer noch kräftig und die See ist so unruhig, wie Torfrock immer singt. Am anderen Ufer erreichen wir die Stadt Karlsborg und passieren die Klappbrücke, um im Inneren der Bucht einen Liegeplatz zu suchen. Leider sind an der Brücke, wo für Götakanalbenutzer freies Liegen gilt, keine Plätze mehr frei und so müssen wir einen Liegeplatz im Segelclub anlaufen. An einer Boje liegen wir gut und haben freie Sicht über den ganzen Hafen. Karlsborg bietet nicht viel an Stadt, eine kleine Straße mit Geschäften und mehr ist nicht los. Die Burg liegt zu weit für uns, wir sind erst spät im Hafen und morgen wollen wir weiter. Die Burg muss warten.

Freitag, 28. Juli 2007 - VassbackenIn diesem Jahr wechseln die Jahreszeiten in Schweden täglich, gestern Sonne und Sommerfeeling, heute wieder Herbst, mit Sturm, Regen und Kälte. In Ölzeug und dicken Fleecepullovern legen wir in Karlsborg ab. Durch eine schöne Seenlandschaft, ganz einsam, weit und breit kein Schiff in Sicht, fahren wir zur letzten Aufwärtsschleuse "Forsvik". Die Wände in der Schleusenkammer sind sehr uneben. Richtige Felsnasen stehen aus der Wand heraus. Wenn Carina beim Schleusen gegen diese Nasen schlägt, dann gibt es trotz Fender Macken im Schiff. Aber unsere Bedenken waren unnötig, der Schleusenwärter lässt das Wasser ganz vorsichtig in die Schleusenkammer und Carina bleibt ganz ruhig in der Kammer liegen. Jetzt haben wir den höchsten Punkt (91,8 Meter) des Götakanals erreicht. Wir bedanken uns beim Schleusenwärter und fahren aus der Schleuse in den jetzt ganz engen Kanal ein. An manchen Stellen ist der Kanal nur ohne Gegenverkehr zu passieren. Im Vikensee hat man eine Abkürzung in den Felsen gesprengt, auch hier ist es sehr eng. Besonders bei den Treidelmauern muss man vorsichtig fahren und zur Mauer 4 Meter Abstand halten und dass wo der Kanal schon so eng ist. Auf dem Vikensee erwischt uns ein Gewitter. Bei Tåtorp schleusen wir zum ersten Mal abwärts, allerdings nur 0,20 m. Es ist eine alte Schleuse und sie wird wie früher von Hand bedient. Uwe hilft dem Schleusenwärter bei der Arbeit. Auch nach dieser Schleuse kommt wieder ein enger Teil des Kanals. Wir fahren ganz alleine durch das ruhige Wasser. Vorbei an einem stillgelegten Nebenarm, hier liegt ein Oldtimer und macht Pause. Weiter geht es bis Vassbacken, hier wollen wir über Nacht bleiben. Man liegt längsseits, an Bojen oder in Y-Boms. Wir nehmen einen Platz mit Y-Ausleger. Beim Café gibt es ab 19.00 Uhr Livemusik. 3 Musiker (2 Gitarren und ein Keyboard) spielen Oldies und wir gehen hin und genießen die Musik. Leider ist es sehr kalt und ungemütlich, kein lauer Sommerabend, sondern eher ein Herbstabend. Nach reichlicher Überlegung bei einem gemütlichen Cappo in der Plicht, natürlich mit Plichtzelt, beschließen wir, den Samstag hier in Vassbacken zu verbringen. Das Wetter ist weiterhin trübe und die dunklen Wolken, die über uns ziehen, lassen immer wieder ihren nassen Inhalt fallen. Deshalb fehlt uns die nötige Lust aufs Weiterfahren und wir machen heute einen "Faulen".

Sonntag, 29. Juli 2007 - Töreboda
Heute geht es weiter, Töreboda ist unser Ziel. Außer ein paar Brücken, die für uns geöffnet werden müssen, haben wir keine Wartezeiten vor uns. Auch müssen heute keine Schleusen bewältigt werden. In Töreboda gibt es einen langen Steg zum längsseits liegen. Wir finden einen Platz und haben auch Strom und Wasser am Steg. In den letzten Tagen war das nicht so oft gegeben. Am Sonntag ist hier nicht viel los, die beiden Supermärkte haben geöffnet, aber alle anderen Geschäfte sind zu. Gleich gegenüber von unserem Liegeplatz ist ein neuer Campingplatz mit einem Warmwasserpool, der Platz ist in diesem Jahr neu eröffnet worden. Der Campingplatz ist noch sehr leer, entweder ist er zu teuer oder noch unbekannt. Es gibt hier eine Fähre, die ist so kurz (klein) wie ihr Name: Lina. Sie wird mit der Hand bedient und zwar mit einer Leine gezogen. Sie befördert nur Fußgänger und Radfahrer. Auch einen Eisladen gibt es direkt am Kanal mit einem " Sail in" Service. Aber im Moment ist hier kein Eiswetter, man denkt schon öfter an einen Grog. Die Sonne lässt sich zwar ab und zu sehen, aber die Wolken haben die Oberhand. Es ist aber ein Hoch in Sicht, hoffen wir, dass es sich verstärkt und sich zu uns hinbewegt.

Montag, 30. Juli 2007 - LyrestadJetzt geht es abwärts, Schleuse für Schleuse nähert sich Carina wieder dem Meeresspiegel. Heute schaffen wir 11 Kammern von Töreboda bis Lyrestad, das sind 21 m Höhenunterschied. Abwärts geht es einfacher und entspannter. Carina fährt in die volle Kammer ein, Uwe und ich gehen mit jeweils einer Leine (Vor- und Achterleine) an Land, führen sie durch einen Ring und nehmen die Leinen wieder zurück an Bord. Wenn der Schleusenwärter das Wasser aus der Kammer lässt, sackt Carina langsam mit dem Wasserspiegel nach unten. Wir führen die Leinen nach und fahren dann in die nächste Kammer oder eben weiter zur nächsten Schleuse. Vorbei an einer schönen grünen Landschaft kommen wir dann in Lyrestad an. Hier liegt man längsseits an der Kaimauer. Nach dem Festmachen schauen wir uns im Ort um, viel bietet er nicht, einen Supermarkt, Pizzeria und ein Museum mit Cafe direkt am Gästehafen. Das Museum gefällt uns, klein aber nett angelegt. Uwe schaut sich besonders die alten Telefonanlagen, Telefonapparate und Fernschreiber an. Abends grillen wir direkt an der Kaimauer und genießen den fast sommerlichen Abend. Heute war ein Hauch von Sommer zu spüren. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung auf ein paar Sonnentage. Strahlender Sonnenschein für einen ganzen Tag, wir verbringen auch den Dienstag hier in Lyrestad und pflegen Carina. Teakpfropfen werden erneuert und einige Holzteile lackiert. Außerdem gibt es hier eine Waschmaschine und einen Trockner und die werden ausgiebig von uns genutzt. Abends heizen wir wieder den Cobb an und grillen gleich beim Schiff. Der Vorteil beim Cobb ist, dass man ihn im Betrieb gut transportieren kann. Er wird außen nicht heiß. Uwe gart das Fleisch, macht dann den Deckel zu und wir stellen den Cobb in die Plicht. So können wir in aller Ruhe in der Plicht essen und der Grill steht in Reichweite. Es spritz nicht, weil der Deckel geschlossen ist. Für den Fall, dass man kleckert oder doch ein Spritzer daneben geht, lege ich eine abwaschbare Tischdecke unter den Grill. Das Grillgut bleibt heiß und der Nachtisch, Bananen oder Annanas werden direkt neben dem Tisch zubereitet, d.h. gegrillt. Für uns ist der Cobb einfach ideal oder ideal einfach.

Mittwoch, 01. August 2007 - Sjötorp
Nun wird das letzte Stück des Götakanals in Angriff genommen. 3 Doppelschleusen und eine einfache Schleuse liegen vor uns. Es geht 16,6 m abwärts Richtung Vänern. Die letzte Schleuse zum Vänern wollen wir uns noch aufheben für den Start Richtung Mariestad. Wieder haben wir tolles Wetter und es ist sehr warm, besonders in den Schleusenkammern fühlt man sich wie im Backofen. Das Schleusen ist abwärts wirklich kein Problem. Bei einer Doppelschleuse vergesse ich, dass ich, wenn ich die Leinen durch die Ringe geführt habe, wieder an Bord muss. Wir liegen als zweites Schiff in der Kammer und Carina liegt an der schräg abfallenden Wand und man kommt nicht so leicht an Bord. Aber ich habe auch gar nicht daran gedacht, so stand ich hoch oben und Carina tief in der Schleusenkammer. Uwe musste dann nach der Schleuse noch mal an den Steg und ich konnte wieder an Bord. Hier in Sjötorp wollen wir ein paar Tage liegen und erst wenn Wind und Wetter passen nach Mariestad segeln. Hier in Sjötorp gibt es ein Museum über die Kanalgeschichte, eine Räucherei mit Fischverkauf, Eisbuden, Minigolf und natürlich Einkaufsmöglichkeiten. Leider regnet es am Donnerstag und wir nutzen die Zeit für Putzarbeiten unter Deck. Der Kupferkessel glänzt wie neu. Nachmittags kommt die Sonne dann doch noch zum Vorschein und es wird ein erholsamer Hafentag. Wir liegen zwischen den Schleusen 1 und 2 längsseits am Steg. Vor uns liegt eine Monsun mit Eigner aus Norderstedt, die Welt ist so klein, man trifft immer wieder auf Nachbarn aus vorherigen Häfen. Mein Büchervorrat ist schon sehr erschöpft und mit der Monsun tausche ich Bücher aus. Auch im Kanalbüro gibt es eine Möglichkeit Bücher auszuleihen, man gibt sie am Ende der Kanalfahrt wieder ab. Auch deutsche Bücher sind im Angebot. In Mem habe ich zwei Bücher ausgeliehen, die ich jetzt hier in Sjötorp wieder abgebe. Eine feine Sache, die viel zu wenig genutzt wird, jedenfalls habe ich den Eindruck, alle Seglern, denen ich davon erzähle, wissen nichts von der Möglichkeit.

3. August 2007 wir nehmen die letzte Schleuse des Götakanals in Angriff und segeln auf den Vänern hinaus.Logbuch Ende

Für den Besuch des Götakanals hatten wir eine weite Anreise, doch es hat sich gelohnt. Eine Tour durch den Kanal kann ich nur empfehlen, sei es per Sportboot oder mit einem der vielen Ausflugsbooten. Von diesen Passagierbooten gibt es eine Menge, sie fahren abschnittsweise auf dem Kanal (Tagestouren) und es gibt eine Route von Göteborg bis Stockholm. Diese Schiffe sind 4 oder 6 Tage unterwegs und bieten viel Genuss, Geselligkeit, Entspannung und Erlebnisreichtum. Eine weitere Möglichkeit besteht am Ufer des Kanals mit dem Rad zu fahren. Es gibt überall gute Radwege und viele Übernachtungsmöglichkeiten. Entweder in kleinen Hotels oder in den vielen Wanderheimen entlang am Kanal. Die Wanderheime sind eine Art von Jugendherbergen. In Schweden heißen sie Vandrarhem. Mehr Infos dazu und überhaupt zum Thema Kanal gibt es im Internet unter www.gotakanal.se.

Fazit:Schweden, vor allen Dingen die Ostküste mit dem Schärengarten, ist eine Reise wert. Und das Highlight unserer Reise war die Klettertour mit dem Schiff mitten durch Schweden. Mir hat die Kanalfahrt gut gefallen und ich kann sie nur empfehlen. Es gibt viele Möglichkeiten den Kanal zu erkunden. Entweder mit dem Rad, entlang auf den herrlichen Radwegen, oder mit einem Passagierschiff, oder mit dem eignen Schiff auf dem Wasserweg oder man besucht eine der vielen Schleusen auf dem Landweg.

 

 
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