Mit dem Jollenkreuzer in die dänische Südsee

Autor Stefan Zollondz

Es war einer der schönen Sommer auf der Ostsee mit viel Sonne, passendem Wind und wenigen Tiefdruckgebieten.

Wir hatten unseren alten 20er Jollenkreuzer mal wieder nach Schleswig getrailert, dort geslippt und erst einmal drei Tage auf der Schlei gewässert. Jetzt war der Vollholzrumpf einigermaßen dicht, das heißt, der Boden war voll Wasser, aber es läuft so langsam nach, daß unsere zwei Pumpen das gut schaffen. Der Pumprhythmus geht mittlerweile schon von 15 auf 30 Minuten über, das ist für die "Wilde 13" ganz ordentlich.

Also steht unserem Törn in die dänische Südsee nicht mehr viel im Weg.

Donnerstag: Wir waren die Schlei gemütlich mit raumem Richtung Ostsee gesegelt, hatten in Lindauhof übernachtet und uns erfolgreich gegen die Mückenschwärme gewehrt und waren jetzt in Maasholm angekommen, unserem Ausgangshafen für die Überquerung des kleinen Beltes Richtung Marstal. Was für die Dickschiffe im Hafen ein kleiner Nachmittagsausflug ist, muss mit dem Jollenkreuzer schon an die Wetterbedingungen angepasst und gut überlegt werden.

Die Überquerung des Beltes war bei jedem Törn nach Dänemark eine Schlüsselstelle. Es sollte weder zuviel Wind noch zuviel Welle sein, damit wir sicher ankommen.

 

 

Über den kleinen Belt.

An diesem Freitag scheint alles zu passen. Der Wetterbericht sagt westliche Winde um vier mit einigen Schauerböen an. Der Himmel sieht aber eigentlich nicht nach Regen aus. So brechen wir mittags auf und fahren bei Sonnenschein und raumem Wind aus der Schlei. Die angekündigten vier Windstärken waren auf zwei bis drei Bft. abgeflaut, so daß wir die Genua setzen. Später am Nachmittag frischt der Wind dann doch noch auf, da wir schon unterhalb von Aerö sind beschließen wir, die Genua stehen zu lassen. So rauschen wir mit 9kn und Ansätzen zur Gleitfahrt ins Klördyb bis zur Hafeneinfahrt von Marstal, wo wir die Segel bergen.

Der Jollenkreuzer mit seinem geringen Tiefgang hat den Vorteil, daß man auch im sommerlich überfüllten Marstal immer einen Liegeplatz findet, egal wie spät man ankommt.

 

Flaches Wasser

Samstag Mittag laufen wir bei Nordwestwind und strahlender Sonne aus Marstal mit Kurs Troense aus. Der Tiefgang des Jollenkreuzers macht es möglich, direkt über das Klördyb zu fahren und nicht erst den Bogen nach Norden durchs Fahrwasser nehmen zu müssen. Auf diesen Kursen verfolgen uns jedesmal die ungläubigen Blicke der anderen Segler, was wir denn da machen. Aber Wassertiefen von einem Meter reichen für den Jollenkreuzer völlig aus. Wenn es mal ganz flach wird, kommt das Schwert und das Ruderblatt hoch und weiter geht´s.

Im Svendborgsund können wir leider die Höhe nicht mehr laufen und müssen kreuzen. So kommen wir erst recht spät in Trönse an. Alle Liegeplätze sind schon belegt und auf für unser Schiff ist keine Lücke mehr zu finden. Also entschließen wir uns nach Thurö Bund rüberzusegeln, wo wir auch einen freien Platz finden. Hier im Hafen ist eigentlich gar nichts los, so daß es ein ruhiger Abend für uns wird.

 

 

Der Wind bestimmt das Ziel

Sonntag: Für dieses Jahr haben wir uns vorgenommen, uns nach dem Wind zu richten. Kreuzkurse mit dem Jollenkreuzer sind langwierig, da wir nicht viel Höhe laufen können. Die Vorteile des geringen Tiefgangs gleichen sich hier mit den schlechteren Kreuzeigenschaften wieder aus.

Der Blick auf den Verklicker verrät heute morgen, daß der Wind auf Ost gedreht hat. Eigentlich die Richtung, wo wir hinwollen. Also beschließen wir, zuerst nach Troense zu fahren und uns dort das Schiffahrtsmuseum anzusehen und später nach Faaborg weiterzusegeln.

Das Museum hat uns sehr gut gefallen, vorallem die alten Holzschiffe - alle auf Hochglanz poliert - waren sehr schön anzusehen.

Nach einem kleinen Imbiss laufen wir wieder in den Svendborgsund zurück, der Strom läuft mit uns. So können wir ab der Svendborgsundbrücke mit Butterfly Richtung Faaborg segeln. Die Sonne brennt den ganzen Tag heiß vom Himmel, so daß unsere Sonnencreme zeigen muß, was sie kann. Als wir in Faaborg ankommen sind wir zufrieden, bis auf einen kleinen Sonnebrand auf dem Ohrläppchen des Skippers ist alles gut gegangen. So runden wir den gelungenen Segeltag mit einem Rundgang durch Faaborg und einem leckeren Eis ab.

Tümmler oder Schweinswale?

Montag: Der Wind kommt weiterhin aus Osten mit moderaten vier Windstärken. Ideales Wetter für uns, um über den kleinen Belt nach Mommark zu fahren. Nach dem ausgiebigen Besuch beim Ausrüster in Faaborg - mindestens genauso schön, wie früher der Besuch im Spielzeugladen - ist es Mittag und wir essen vor dem Auslaufen noch eine Kleinigkeit. Danach geht es erst ein Stück unter Motor gegenan aus der Faaborgbucht. Gut, daß hier nur eine kleine Welle steht, denn unser Außenborder taucht trotz Langschaft gerne mal aus dem Wasser.

Danach setzen wir die Segel und laufen mit 7kn an der Nordspitze Aerö´s vorbei Richtung Mommark. Kurze Zeit später schnauft es neben dem Boot, wir können aber nicht sehen. Wenige Minuten später das gleiche Geräusch - da schwimmen zwei Schweinswale neben dem Boot her. Ein paar Minuten geht das noch so, bis wir wieder alleine sind.

Der Hafen von Mommark gefällt uns ganz gut, auch wenn wir jedesmal durchgequirlt werden, wenn die Fähre kommt. Alle Boote am Steg drehen dann mit einem Schwung in das Schraubenwasser der Fähre und später wieder zurück. Zum Glück fährt die Fähre nicht die ganze Nacht!

Zurück in die Schlei

Dienstag: Heute steht die Rückfahrt über die Flensburger Förde in die Schlei an. Bei unserem Glück in den letzten Jahren sollten wir heute Westwind oder schlimmeres erwarten. Aber: Der Ostwind hält! So ein Glück hatten wir noch nie. Mit halbem Wind segeln wir an der Ostküste Alsen entlang und über die Förde, vorbei am Leuchtturm Kalkgrund, den wir auch noch nie so klar gesehen haben. Fast kommen wir uns vor, wie auf einem Binnensee. Der Wind weht nur mit 2 Bft, gerade soviel, daß wir vorwärtskommen. Die eintönige Küste zwischen Wackerballig und Schleimünde zieht im Zeitlupentempo an uns vorbei, bis wir in der Abendsonne die Silouette vom Leuchtturm Schleimünde mit der Giftbude und den Bäumen ausmachen können. Es wird noch eine gute Stunde dauern, bis wir wieder in die Schlei einlaufen...

Fazit:Ein schöner Törn geht mit dem Einlaufen in die Schlei zu Ende. Wenn man sich nach dem Wetter richtet und genügend Zeit hat, kann man auch mit dem Jollenkreuzer Törns nach Dänemark machen. Das Meilenabreißen kommt dabei natürlich zu kurz. Es kann schnell mal passieren, daß man einige Tage wegen schlechtem Wetter im Hafen festliegt und der Rückweg muß immer im Auge behalten werden.

Wenn man sich dann noch mit dem beengten Raum arrangieren kann, bietet der Jollenkreuzer viele Möglichkeiten, Stellen zu erreichen, wo kein anderes Schiff hinkommt.

Stefan Zollondz

 
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