Brejning - Parklandschaft im Vejle Fjord  Autor: Stefan Zollondz

Unscheinbar erscheint der kleine Hafen am Südufer des Vejle Fjords auf der Seekarte. Auch ein Blick ins Hafenhandbuch verspricht nicht gerade Sensationen, ein kleines ovales Becken mit einer Handvoll Liegeplätzen und keinen Versorgungsmöglichkeiten.
Naja, klingt ja nicht direkt einladend. Als Pluspunkt lassen wir höchstens den erhöhten Erholungseffekt durch die ruhige Lage gelten. Frische Brötchen wird es dann wohl morgen früh nicht geben, aber eine ruppige See, die sich in den letzten zwei Stunden aufgebaut hat und ein Windwechsel von West auf Ost, der auch nicht im Wetterbericht angesagt war, liefern genügend gute Gründe, um heute doch nicht nach Juelsminde weiterzufahren. Wie es der Zufall will, haben wir gerade die Einfahrt zum Vejle Fjord passiert und beschließen, dorthin abzulaufen.
Sofort nach dem Kurswechsel haben wir die Wellen von achtern, EMMA unser Dompkruizer DK 860 bolzt nicht mehr gegenan, sondern rollt sich mit seinen 5 Tonnen durch die Wellen.

Der neue Kurs führt uns direkt auf die Hafeneinfahrt zu. Dicke Wolken haben die Sicht etwas eingetrübt, aber schon von weitem sehen wir ein prächtiges Herrenhaus mit gepflegtem Rasen über dem Hafen auftauchen. Der Kurs ist richtig, das muß der Hafen sein, aber wo ist die Einfahrt? Ich halte erstmal auf die Steinmole zu und denke, die Einfahrt wird schon kommen, man sieht sie wegen der Entfernung noch nicht, weil ein kleiner Wellenbrecher davor ist. Imke, meine Mitseglerin, wirft aber doch lieber nochmal einen Blick ins Hafenhandbuch. Nein, sie liegt weiter rechts, jetzt wo wir näher dran sind, sieht man auch zwei kleine selbstgebaute Pricken, die die Einfahrt anzeigen.

Wie erwartet ist es recht eng im Hafenbecken, der Wind treibt uns in die erste Boxenreihe, wo zwei Plätze frei sind. EMMA entscheidet selber, in welcher Box sie lieber liegt und kurze Zeit später sind die Leinen fest. Die Wellen drücken in den Hafen und wir liegen recht unruhig, sind aber auf jeden Fall erstmal im Hafen. Kurze Zeit später legt ein dänischer Spitzgatter in der freien Box neben uns an. Danach folgt ein Regenschauer, der uns unter Deck treibt. Bis jetzt war es hier noch nicht sehr beschaulich. Als der Regen aufhört, laufen wir eine Runde durch den Hafen. Das Clubhaus ist noch fast neu, sogar mit einem barrierefreien Badezimmer. Die Hafengebühr wird in einen Umschlag und dann in den Briefkasten gesteckt und es gibt eine kostenlose Postkarte vom Hafen. Sehr nett.

Anmerkung zum Kartenausschnitt: Mit freundlicher Genehmigung Nautische Veröffentlichung Verlagsgesellschaft Arnis.

Schon von See her hatten wir das eine Herrenhaus gesehen, das direkt am Hafen auf einer frisch gemähten Wiese steht. Das Haus ist leer, aber sehr gut gepflegt, neuer Anstrich, neues Dach und eine schöne Architektur.
An der Wand finden wir ein Bauschild mit dem Plan des Geländes. Kellers Park, das ist ein Stück Geschichte Dänemarks, hier an diesem verlassenen Stück Erde. Brejning gehört zur Kommune Börkop. Beide haben eine Vergangenheit als Ortschaft, die um ein paar Höfe herum erbaut wurde. Verstärkter Verkehr und der Bau einer Eisenbahnstation am westlichen Stadtrand von Börkop führten zu einer größeren Aktivität, die Stadt begann jedoch richtig zu wachsen, als im Jahre 1865 De Kellerske Institutioner, Einrichtungen für geistig Behinderte, etabliert wurden. Dies führte zur Anstellung vieler Beamte und regte gleichzeitig den Handel in der Stadt an.

Brejning ist für De Kellerske Institutioner, Einrichtungen für geistig Behinderte bekannt, die hier um die Jahrhundertwende gegründet wurden. Die alten, schlossähnlichen und monumentalen Gebäuden wurden auf einem 121 Hektar großem Gelände errichtet, die von einer markanten und parkartigen Bepflanzung geprägt ist. Später übernahm die Sozialhilfe für geistig und körperlich Behinderte die Gebäude, die sie bis 1990 nutzte. Neue Konzepte in der Betreuung behinderter Menschen ließen sich in den alten Gebäuden nicht verwirklichen, so daß in unmittelbarer Nähe des Parks moderne Bungalows mit Wohngruppen gebaut wurden.

 

Die nicht mehr genutzten Gebäude und der Park gingen in den Besitz des Kreises Vejle, der jetzt auf investierungsbereite Käufer wartet. Geplant ist eine Nutzung der bestehenden Wege durch das Gelände, die Gebäude sollen zu einem Konferenzhotel und zu Ferienwohnungen umgebaut werden. Außerdem sollen ein Golfplatz, sowie ein Café und Restaurant und Seniorenwohnungen und Einfamilienhäuser entstehen. Für den Hafen ist eine Erweiterung geplant, die Aktivitäten des Hafens sollen dann in das Gesamtkonzept einfließen.

 

In der Region würden durch das Konzept natürlich einige neue Arbeitsplätze entstehen, die Entwürfe sind bereits fertig und erste Treffen mit Investoren haben stattgefunden.
Einzig die Mitglieder des Brejning Bootclubs haben Magenschmerzen, wenn sie an die Veränderungen denken. Sie haben das Gelände des Hafens seinerzeit von der Kommune erhalten und den Hafen mit eigenen Mitteln und viel Eigeninitiative aufgebaut. Wird der Hafen jetzt erweitert und in das Gesamtkonzept aufgenommen, ist unklar inwieweit der Verein noch eigenständig über den Hafen entscheiden kann.

In unmittelbarer Nähe des Geländes der Kellerske Institutionen ist südlich ein interessanter Rest aus der Vergangenheit zu finden - eine alte Ruine, genannt Trindvold. Es sind die Reste einer alten Befestigungsanlage, die in Verbindung mit anderen Burgen aus der Wikingerzeit gegen feindliche Angriffe von der See schützen konnte.

Fazit: Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Hafen, der einen Besuch wert ist

 
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