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Skipper Kim

Anekdoten

20-03-07 12:19

So viel Träume

Autor: Frixos

Die Lagoon 47 liegt ruhig und geschützt genau auf 17°05 N 61°55 W, aber wer kennt schon diese Lagune auf Antigua, weitab vom Trubel wie er um diese Zeit in St. Johns, English Harbour oder im feudalen St. James Yachtclub der Marmorabay um diese Jahreszeit, es ist Ende Februar, herrscht.
Meine Chartergäste haben sich auf den Weg gemacht um Green Island zu erkunden, es sind Italiener und Österreicher, wozu sie meiner Meinung nach nicht mehr als eine Stunde brauchen werden, Denn größer ist dieser Sandfleck in der Karibik nicht. Sie sind aber schon mehr als zwei Stunden unterwegs, was mir eigentlich nur recht ist, Denn sie sind mir in den vergangenen Tagen mit ihren Schiki-Miki Allüren schon mächtig auf den Wecker gegangen und ich bin froh den Sonnenuntergang mit mir und einer Flasche Jamaikarum, den ich am vergangenen Abend im St. James Yachtclub anlässlich eines Rock n’ roll Bewerbes gewonnen hatte zu verbringen. Den Preis bekam ich nicht, weil ich ein so toller Tänzer bin, eher weil ich dieser Kategorie als einziger mit einer schokoladefarbenen Afro- Mischung daran teilnahm. Starker süßer Kaffee mit einem ordentlichen Schuss Rum, meine geliebte Pfeife und Musik aus dem Weltempfänger lullten mich ein und in Gedanken Drehe ich auf der Kurzwelle die Stationen durch. Plötzlich war ich hellwach, irgendwie in meinem Dusel hatte ich Radio-Austria-International in der Kiste und über Tausende von Kilometern höre ich eine vertraute Melodie „und irgendwann bleib I daun durt los alles liegn und steh geh von daham für immer Furt“. Der Sender kommt und geht, ich Drehe wie verrückt um die Melodie klar zu bekommen, zu Hause wäre mir das nie eingefallen, Dann lasse ich das sein und hänge mit geschlossenen Augen der Musik nach und gleite langsam hinüber in eine Zeit, wo alles begonnen hat.
November Ende der vierziger Jahre, der Westbahnhof ist immer noch eine Ruine aber die ersten Zeichen eines Wiederaufbaus machen sich bemerkbar. Die Gleise die nach Westen führen verschwinden schon nach hundert Meter im Nebel. Nur das Schlusslicht des abfahrenden Zuges trotzt noch ein paar Meter dem Dunst bis es auch von der Trostlosigkeit verschluckt wird. Ein Junge mit knapp fünfzehn Jahren steht am Ende des Bahnsteiges, sieht dem Zug nach und ihm ist zum heulen, nicht wegen des Wetters, um diese Jahreszeit steht er oft hier und schaut den abfahrenden Zügen nach, nein er hat einfach Fernweh, und das schon seit Jahren, genauer, seit er seinen Vater in der schmucken blauen Marineuniform, mit der er auf Heimaturlaub war, gesehen hatte.
Da war er acht Jahre alt. Seit damals war es für ihn eine beschlossene Sache „ ich werde einmal Matrose“ verkündete er all jenen die einem kleinen Jungen die saublöde Frage nach seinen Berufswünschen stellten. Ja, dieser fromme Wunsch brachte ihm so manche Ohrfeige von seiner Mutter ein die, und welche Mutter hat nicht das Bedürfnis, ihren Sohn in einer gehobenen Position sehen wollte. „Du wirst Seeoffizier“ bläute sie ihm immer wieder ein, aber machen sie das einem kleinen Jungen klar der in seinen Büchern schmökert und immer nur von den Heldentaten der Seeleute liest und Seeleute sind nun mal Matrosen, Offiziere sind keine Leut, das hatte ihn schon Vater gelehrt. Sollte er sich an Kapitäne wie Bloody Morgen oder Captain Bligth von der Bounty halten? Nein, ein richtiger Seemann war ein Matrose und dafür steckte er gerne manche Ohrfeige ein. Er dachte an Vater der, obwohl der Krieg schon lange zu Ende war, immer noch vermisst wurde aber für ihn ein Held ist der draußen in der Nordsee nach Minen sucht und der ihm das erste Seemannslied gelehrt hatte: „Finster war die Nacht und kein Sternlein lacht nur ein Matrose hält einsam die Wacht“. Plötzlich Stimmen, „He Capitano Come va“, der Junge öffnet die Augen, ist es möglich, smaragdgrünes Wasser, Palmen weißer Sand und eine weiche Brise wiegt das Schiff in der Lagune. Ein Blick auf die Rumpulle, sie ist halb leer und ich zurück in der Realität mit meinen Schicki- Miki’s in Lee von Green Island.


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