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Skipper Kim

Anekdoten

05-03-07 10:35

FRAUEN AN BORD oder DIE SCHRECKENSFAHRT DER MIN MIO

Autor: Frixos

Eingangs möchte ich in aller Deutlichkeit feststellen dass ich nichts gegen Frauen an Bord habe, sie sind einfach super, viele die mit mir, unter den schwersten Bedingungen, gefahren sind stellten sich als richtige Windsbräute heraus. Aber wie heißt es so schön „Ausnahmen bestätigen die Regel“ und von so einer Ausnahme möchte ich berichten. Angefangen hat alles mit einer Anfrage von Mutter und Tochter aus dem weitesten Bekanntenkreis „ob es nicht möglich wäre und ob ich vielleicht wollte“, usw. Natürlich wollte ich, hatte aber keine Ahnung dass man hinter meinem Rücken schon Wetten abschloss wann ich die beiden über Bord gehen lasse. Dazu kam noch ein Prachtstück, die Geschiedene von einem Gast der mit mir im Vorjahr von St. Martin nach Martinique gesegelt ist. Mit von der Partie: Sina meine Frau, Brigitte mit ihrer Schwester und Freundin lauter super Mädl’s und mein langjähriger CO, der allerdings einen kleinen Fehler hatte, beim Anblick eines Weiberrocks rutschte sein Verstand unter die Gürtellinie. Gechartert wurde eine Bavaria 42C (das C stand für Caribic, wieso das weis der Teufel) ab Marmaris. Das erste Problem, ich hatte im Hinblick auf die Damen ein Schiff mit 2 Duschkabinen geordert, die waren vorhanden, nur in der Achterndusche war ein Ablauf nicht einmal vorgesehen, die Dusche wurde, da die Damen nicht gewillt waren das Wasser mit der Pütz auszuschöpfen, gesperrt, diese Aktion brachte mir natürlich scheele Blicke von Mutter, Tochter und Prachtstück ein. Das vorbestellt Windsurfboard war nicht vor Ort, „morgen oder in 2 Tagen wird es bestimmt geliefert“ war die Auskunft des etwas überforderten Stützpunktleiters. Also ohne ab die Post nach Öli Deniz, eine traumhaft schöne Lagune die auch nicht mehr das war als ich sie vor Jahren das erste mal besuchte, doch alle waren begeistert. Nachts vor Anker, die Sterne waren zum greifen nah und vom Nebenschiff erklangen zünftige Seemannslieder „oh du schöner schöööööner Westerwald“, das reichte, zeitig morgens Anker auf und nach Rhodos/Lindos.
Zum klarieren hatte ich einen Trick. Einreise in die Türkei mit Reisepass und Visum, von Marmaris ohne ausklarieren ab, in Rhodos einklarieren mit Personalausweis und so ersparte man sich jede Menge Zeit und Geld.
Schon war das nächste Problem, der Autopilot blockierte, der Zahnkranz vom Mitnehmer war gebrochen. Die Crew verbrachte einen schönen Tag mit Besuch der Akropolis, Schnorcheln und Schwimmen nur ich machte mich, per Autostop auf den Weg nach Mandraki, wo ich den Zahnkranz zwar nicht bekam dafür aber einen Superkleber der das Problem schaffte. Abends Dinner in Lindos, Mutter, Tochter und Prachtstück erspähten mit Kennerblick die teuerste Taverne. Meine Warnung nicht alle Beilagen die der Kellner empfiehlt zu ordern, der Fisch stand auf der Karte inkl. Garnitur, wurden in den Wind geschlagen, war doch der Kellner ein griechischer Apoll und die drei zogen in schon mit den Augen aus. Es kam wie es kommen musste bei der Rechnung gab es lange Gesichter und die Bordkasse, die ich nie selbst verwalte, bekam einen beträchtlichen Schwindsuchtsanfall. Schuld war natürlich der Skipper.
Nach Lindos war Karpathos unser nächstes Ziel, Problem Nr. 3 ließ nicht auf sich warten.
Als ich bei der Einfahrt die Maschine starten wollte gab sie nicht einmal einen Seufzer von sich, kein Wunder war die Starterbatterie doch als Verbraucher angeschlossen und mit der Verbraucherbatterie nicht gleichgeschaltet. Mein CO brachte die ganze Sch…… wieder in Ordnung und frohgemut legten wir in Pigadia an. Ruhetag in Pigadia, Sina und ich besuchten Freunde, der CO machte einen Ausflug mit einem gemieteten Jeep nach Olympia, einem ganz reizendem Bergdorf, dort hat man das Gefühl um 100 Jahre zurückversetzt zu sein, Dank Pater Minas der alles daran legt den Massentourismus fernzuhalten.
Einer meiner griechischen Freunde hat mir Flausen in den Kopf gesetzt „den Palmenhain von Vai auf Kreta musst du gesehen haben, der schönste Palmenhain von Europa“. Na ja, damals war ich noch gutgläubig was Griechenland betrifft, also auf nach Kreta um diese Sensation gebührend zu bewundern.
8 Bft in der Karpathos See und eine Damencrew, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ich ging mit 40° an den Wind, mehr schaffte die Karibische Gurke nicht und geizte auf was das Zeug hielt Denn nach meiner Berechnung fehlten mir 6 Seemeilen Luv nach Vai.
Das Prachtstück, stolze A-Schein Besitzerin, saß auf der hohen Kante und wurde ums verrecken nicht Seekrank stattdessen kam alle 10 Minuten die Meldung „Fock killt“.
Trotz allem geizen war der Landfall 3 Seemeilen in Lee von Vai als es dunkel wurde aber eine kleine Taverne wo der Wirt sehr zur Freude von Mutter, Tochter und Prachtstück, ihnen auf Teufel komm raus den Hof machte, entschädigte uns. Nächster Tag die Bucht von Vai, die Endtäuschung war riesengroß, einige mickrige Palmen und ein Strand vollgepflastert mit Strandliegen.

Als nächstes war Santorini geplant aber 70 Seemeilen gegen den Wind zu Bolzen fiel mir nicht einmal im Traum ein, im geheimen wurde ich zur „Persona non grata erklärt“.
Nächstes Ziel mit dem Wind nach Kassos, der Nachbarinsel von Karpathos. Ein schnuckeliger kleiner Fischerhafen, ich machte mich auf den Weg zum Hafenkapitän und kam bei einem kleinen Laden vorbei wo mir die Mortadella und frische Brötchen nur so in die Augen sprangen, so orderte ich pro Crew 2 Mortadella Brötchen und der gute Mann war total überfordert aber gemeinsam schafften wir den Auftrag.
Zurück an Bord hatten sich meine Sorgenkinder verdrückt, dafür verdrücken wir die ganze Ladung.
Der Abend kam, der Wind ging schlafen, der Mond ging auf und die Fischer nützten die ruhige See um ihre Netze auszulegen. Der CO der schon einen beträchtlichen Hormonstau hatte erklärte den 3 Zuckerpuppen wie schön so ein Nachttörn sei und wie schön man da kuscheln könnte. „Aber macht ihr dem Skipper den Vorschlag, da kann er nicht Nein sagen“, meinte dieses falsche Aas, doch ich konnte, der Hinweis auf die rundum ausgelegten Netze wurde als seelische Grausamkeit ausgelegt und meine Minuspunkte stiegen enorm.
Das Prachtstück meinte „als schöne und intelligente Frau hat man es eben schwer im Leben“. Wie sie zu dieser maßlosen Überschätzung gekommen ist wissen nicht einmal die griechischen Götter.
Nächster Tag Tilos, wieder ein typisch griechischer Hafen, römisch katholisch an die Pier über uns ein Taverne und mein erster Weg war zu erkunden ob die Möglichkeit einer Dusche bestand, sie bestand Preis p.P. 500 Drachmen umgerechnet 20 Alpendollar, die Damen waren begeistert, meine Minuspunkte verringerten sich ein wenig. Dann gab es Zoff, als ich am nächsten Morgen zum Wirt ging um mich zu bedanken sagte er dass nicht alle bezahlt hätten, das junge Mädchen, damit meinte er die Tochter. Auf meine Vorhalte meinte sie nur „der soll sich nichts antun wegen der paar Kröten“. Auf meinen gut gemeinten Vorschlag ging sie aber bereitwillig ein, „entweder du gehst hinauf, bezahlst die paar Kröten oder ich mach einen Strich durch deinen Namen in der Crewliste und schmeiß dich mit deinen Sachen auf die Pier“, das wirkte. Der CO erklärte ihr noch „so hab ich ihn schon erlebt, er macht das wirklich“. Meine Minuspunkte erreichten einen historischen Tiefstand.
Weiter ging’s nach Symi, schön langsam bin ich es leid immer von den Schönheiten Griechenlands zu schreiben während draußen eine sibirische Kälte herrscht und mich schon wieder das Fernweh heimsucht, seht es euch selbst an, mein Wort darauf es lohnt sich.
Symi, Fender ausgebracht, römisch katholisch rein und die Stereoanlage spielt „Kalimera tiganis, Guten Morgen wie geht’s“, der Hafenbursche, eigentlich schon ein älteres Modell, nimmt die Landleinen, erwartet immer ein Trinkgeld aber von mir nimmt er nichts. „Philemou, du bist mein Freund“, einen Drink in der Taverne lehnt er aber nicht ab.
Symi ist sehr unruhig wenn der Flying Dolphin einläuft, vorsorglich hatte ich achtern einen Ballonfender ausgebracht aber nicht mit der Rolligkeit von Prachtstück gerechnet. Eine 45er lief ein, an Bord 7 stramme Tiroler, Prachtstück hatte sich landfein gemacht, Mini - Mini Palettenröckchen, mit Paletten besetzter Bolero und einen Ausschnitt der klar machte das die Reede frei war. Die 45er kommt rein, sie schnappt sich den Fender von achtern und setzt sich hilfsbereit in Szene, in diesem Moment legt ein Flying Dolphin an und mit dem Schwell kracht die Min Mio gegen die Kaimauer. Somit wurde meine beschaulich, wohlverdiente Pause in der Taverne gestört, der CO kam an und berichtete. Bei der folgenden Aussprache mit Prachtstück war ich wenig charmant, was sie mir allerdings den Rest der Fahrt nicht verziehen hat. Abends saßen wir mit den Tirolern in der Taverne die auf Teufel komm raus mit Sina flirteten, was mich ein wenig stolz machte, schließlich habe ich eine sehr attraktive Frau. Mutter und Tochter machten einen Spaziergang durch die Stadt und Prachtstück schlenderte beleidigt, Handtäschchen schwingend, wie weiland das Mädchen aus Piräus, die Promenade auf und ab.
Tags darauf war alles vorbei, dachte ich zumindest. Die Min Mio sollte nach Oranhye/Türkei gegenüber von Symi. Leinen los, raus aus der Bucht, warschau ob keine türkische Küstenpatrouille in der Nähe ist und volle Pulle der Küste zu. Blubblubblub machte die Maschine und streikte, was war los? Die Tankanzeige steht auf halb und mit dem angegebenen Fassungsvermögen müsste noch genügend Diesel im Tank sein, noch dazu kein Furz Wind. Des Rätsels Lösung war einfach, man hat der Bavaria einen Fäkalientank eingebaut und dafür den Dieseltank halbiert, nur die Tankuhr auch zu justieren hat man vergessen. Wer schon bei Restwellen Diesel nachgefüllt und die Maschine entlüftet hat kann sich vorstellen was ich der Charteragentur alles auf den Hals gewünscht habe. Oranhye war damals auch nicht das gelbe vom Ei aber ich war heilfroh diese Fahrt ohne Mord und Todschlag hinter mich gebracht zu haben.


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