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Anekdoten

10-02-07 23:42

Kollisionskurs

Autor: Alfred

Kollisionskurs

Und so fuhren wir mit einem unserer Segelboote – eine Benneteau 44 Fuß – abends um 22 Uhr in Denia los. Die Übergabe sollte am anderen Morgen um 10 Uhr auf Formentera im Hafen von La Sabina stattfinden. Der Wind stand am Anfang etwas ungünstig aus Osten, drehte dann aber Richtung Südosten und wehte mit 4-5 Beaufort. Das war natürlich ein idealer Segelkurs und wir preschten mit 8 Knoten und 92° am Kompass auf und davon, in die stockdunkle Nacht. Es war Neumond, aber dafür eine Sternenpracht am Himmel. Allerdings währte unsere Freude nicht lange.
Der Wind gab immer mehr ab und bei 3 Knoten holte ich die Genua ein und stabilisierte das Boot mit dem Grossegel. Der Motor wurde angeschmissen und dann tuckerten wir mit 6 Knoten weiter. So gegen zwei Uhr morgens entdeckte ich am Horizont zwei verschiedene Lichter. Das eine weiß und das andere gelblich und höher. Beim weißen Licht vermutete ich ein Fischerboot und beim gelblichen ein Toplicht (Licht zuoberst auf dem Mast) eines Seglers. Da die zwei genau auf unserem Kurs lagen, beobachtete ich immer wieder, was sie im Sinn haben könnten.
Während das weiße Licht langsam steuerbord verschwand, blieb das gelbliche
beharrlich auf unserem Kurs. Nach 5 Minuten, das gleiche Bild, nur war das
Licht jetzt etwas höher als vorher. Aha! Dachte ich; er kommt näher, aber 20
Minuten werden wir sicher noch brauchen, bis wir uns kreuzen . . .

Lieber Leser! Heute fliegen die Menschen auf den Mond, auf den Mars oder sonst wohin und ich setze mich permanent mit diesem „blöden“ gelblichen Licht vor mir auseinander, das einfach stur auf uns zukam, respektive, wir auf das
Licht . . .
Nach der Höhe des Lichtes, musste es sich um einen großen Segler handeln und irgendwann war das Ding so hoch am Horizont, dass selbst ich einsehen musste, dass es so hohe Segelmaste kaum gibt auf unserer Welt. Ergo musste
es etwas Außerirdisches sein. Meine Denkabläufe bewirkten nach außen hin
einen Lachanfall, als ich endlich begriff, was unser gelbliches Licht vor
uns war . . . - der Mars!
Der Kerl ging aber auch so schön über dem Meer auf, dass meine Mastlichtgedanken“ trotzdem ein bisschen entschuldigt sind. Solche Erlebnisse lockern so eine eher eintönige Übersetzungsfahrt auf und mein „alter“ Seglerfreund“ Paul und Eva, meine Freundin, hatten nun etwas, um mich zu necken.
Nach dem beinahe Crash mit dem Mars, beschloss ich, eine Stunde zu schlafen,
um dann bei Sonnenaufgang wieder voll dabei sein zu können. Irgendwann wachte ich auf, weil etwas fehlte. Aha . . . , der Motor lief nicht mehr und es herrschte eine göttliche Ruhe. Während ich schlief kam Wind auf und Paul setzte die Segel. Am Horizont zeigte sich ein kleiner Silberstreifen der den neuen Tag anmeldete. Eine halbe Stunde später erschien über den Bergen von Ibiza die Sonne als hellgelbe Kugel. Immer wieder faszinierten mich diese Sonnenaufgänge und Paul konnte es sich nicht verkneifen, mir zu erklären, dass das kein Mastlicht sei. Ich war ihm dankbar dafür.

Eingesendet von Alfred. Eine seiner netten Anekdoten aus seinem Buch:
"Basel liegt am Mittelmeer


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